Wie angekündigt, folgt hiermit der zweite Teil unserer deutschen Treasury-Arbeitsmarktauswertung. Dieser Teil konzentriert sich auf die in den Stellenanzeigen beschriebenen fachlichen Anforderungen, ergo die gefragten Skills und Technologien, die angebotenen Arbeitsmodelle sowie die gefragten Sprachkenntnisse. Grundlage sind wie im ersten Teil alle 517 Vakanzen, die wir in Deutschland 2025 erhoben haben von Corporates, TMS-Häusern und Beratungen (außer BIG4).
Arbeitsmodelle
Was mir die Kandidaten mitteilen, spiegelt sich auch klar im Arbeitsmarkt wider. Kandidaten wollen Hybrid arbeiten und bis jetzt habe ich nur zwei Kandidaten gesprochen, für die eine Office-only-Option überhaupt in Frage käme. Daher ist es kein Wunder, dass die meisten Vakanzen hybride Optionen anbieten und Office-only eine extreme Ausnahme ist. Remote gab es auch ein paar, diese sind aber meistens von den TMS-Häusern und nicht den Corporates.

Skills & Anforderungen
Ich habe einige der fachlichen Anforderungen zu thematischen Clustern zusammengefasst. EY hatte letztes Jahr ein großes Dokument veröffentlicht, wo gemeint wurde, dass sich das Treasury mehr in Richtung einer strategischen Rolle entwickelt und weniger operationell wird. Das mögen vielleicht Aussichten der Zukunft sein. Fakt ist aber und das sieht man klar an den Anforderungen der Unternehmen: Treasury hat sehr oft einen großen operationalen Anteil. Es gab noch nie so viele Treasury-Vakanzen in Deutschland und wenn sich dieser Trend fortführt, dann werden weiter auch kleinere Firmen einen Treasurer reinholen wollen. Besonders in diesem Fall ist dann auch wieder klar: Treasury bleibt erstmal (zumindest in Deutschland) viel operational.
Besonders das Cash Management (inkl. Liquiditätsplanung und Cash Pooling) bleibt der dominante Kompetenzbereich und spiegelt die hohe Priorität wider. Reporting sowie Financing/Corporate Finance folgen dicht dahinter und unterstreichen den Bedarf an belastbarer Steuerungs- und Kapitalstruktur-Expertise. Einen Trend, den auch wir mit unseren Vakanzen 2025 in Deutschland bemerken konnten. Payments/EBICS/SEPA und Bankkontenverwaltung sind Grundpfeiler, während Financial Risk Management (FX/IR/Hedging) weiterhin ein Kernfeld für international aufgestellte Unternehmen bleibt, dieser aber auch oftmals von Spezialisten in den Unternehmen übernommen wird. Compliance/EMIR/KYC/ICS ist breit präsent, allerdings stärker prozessual eingebettet als eigenständig skaliert. Digitalisierung/Automation und Project Management zeigen die Transformation des Treasury und die Aspekte die neben den Operations am wichtigsten sind und werden! Trade Finance bleibt für exportorientierte Unternehmen wichtig, hat aber auch oft Spezialisten am Werk, die sich nur ums Trade Finance kümmern.

Technologien & Systeme
Auf der Technologieseite finde ich, spiegelt sich das Phänomen von „wo man sein will und wo man ist“ nochmal sehr gut wider. Die Technologieseite wird weiterhin von SAP geführt (das wissen gerade die Berater sehr gut!) und Excel/VBA folgt direkt dahinter, da oft auch keine speziellen Systeme bei kleineren Deparments vorhanden sind. Danach folgen spezialisierte TMS‑/Payment‑ und Markt‑Systeme (z. B. FIS/SunGard, TIS, 360T, SWIFT, Kyriba, Bloomberg, Coupa/tm5, Serrala, MultiCash). Klar ist: irgendein TMS zu kennen reicht oft aus und ist ein Pluspunkt. Ob es dann in der nächsten Stelle auch genau dasselbe System ist, ist aber eher unwahrscheinlich.

Sprachkenntnisse
Ich spreche auch immer wieder mit Fachkräften aus dem Ausland oder in Deutschland, aber ohne Deutschkenntnisse, und die Daten spiegeln genau das wider, was ich auch immer sage: Wenn man in Deutschland im Treasury arbeiten will, geht es (fast) nicht ohne Deutsch! Anders als zum Beispiel in den Niederlanden (wo nur ca. 30 % der Treasurer auch fließend Niederländisch sprechen). In unserer Erhebung verzichteten nur 13 Vakanzen ausdrücklich auf Deutsch; realistisch ist mindestens B2, in der Praxis häufiger C1. Englisch ist faktisch Pflicht, 456 Vakanzen verlangten explizit (sehr) gute Englischkenntnisse. Weitere Sprachen werden fallweise genannt, spielen jedoch eine klar untergeordnete Rolle.
Interpretation & Trends
Die Ergebnisse zeigen: Liquiditäts‑ und Zahlungsverkehrskompetenz bilden die Basis, gefolgt von Reporting, Finanzierung, Payments und Risiko‑Management. Systemseitig stehen Datenkonsistenz und Prozessstabilität im Vordergrund; die Nachfrage nach Automatisierung und Projektkompetenz steigt entsprechend. Im Recruiting bleibt Deutsch die Eintrittskarte, Englisch ein Muss, gerade in globalen Strukturen.
Treasury in Deutschland ist weiterhin viel operational! Cash‑/Liquiditätsmanagement, solide Finanzierungs- und Reportingskills sowie Tool‑Sicherheit (SAP, Excel/VBA plus ein einschlägiges TMS/Marktsystem) sind die wirksamste Kombination. Anhand der Daten sollten sich Treasurer, die sich weiterentwickeln wollen, vielleicht den nächsten Sprachkurs sparen und lieber in Digitalisierung und Automation investieren, der am meisten gefragte Skill außerhalb der üblichen Treasury-Aufgaben.
Wenn Sie Fragen haben, die Ergebnisse weiter diskutieren möchten oder Anregungen für spezifische Themen haben, wenden Sie sich gerne an Antonio. Wir freuen uns jederzeit über den Austausch von Ideen.